19. Mai 2026 / Autor: Niklas Meisch / Kategorie: C-Jugend männlich, Spielberichte
Runde 1: Ein Handballspiel hat zwei Halbzeiten
Frisch für die Oberliga gemeldet und nach einigen harten Trainingswoche mit vielen verschollenen Fingerkuppen durch die Harzgewöhnung geht es in der ersten Runde direkt auf Reisen zur JSG Eching-Neufahrn. Mit der komfortablen ersten Anwurfzeit um 11:30 kann da ja eigentlich nichts mehr schiefgehen, dachten die Kemptner Recken, um dann beim ersten Spiel gegen die Hausherren direkt mit einem anspruchsvollen Gegner ins Turnier zu starten. Nach einer soliden ersten Halbzeit konnte Lejs mit der Halbzeithupe auf 8 zu 9 verkürzen. Das war’s dann aber auch schon mit den Kemptner Toren, aus der Halbzeit kamen die Jungs leider nicht mehr zurück und konnten in der zweiten Hälfte keine weiteren Treffer mehr vermelden – auch wenn die Abwehrleistung passte ging das Spiel am Ende mit 8:13 an die Gastgeber. Ein Schock zum Start, aber vielleicht genau das Signal, was die Kemptner zum Ankommen im harten Quali-Alltag brauchten.
Im zweiten Spiel gegen den (noch) Regionalliga-Nachwuchs des TSV Haunstetten kamen die Illerstädter furios aus der Kabine und zeigten, wozu sie in der Lage sind. Von Anfang an ließen sie keine Zweifel aufkommen, dass sich die Ausrutscher an diesem Tag mehren sollten. Nach dem Ausgleich zum 2:2 nach 2 Minuten blickten die Kemptner nach vorn und spielten eine furiose erste Halbzeit mit zwischenzeitlich 5 Toren in Folge. In die Kabine ging es beim Stand von 6:12. Besonders David S. konnte in diesem Spiel brillieren und steuerte insgesamt 7 Tore bei. Nach einer ungefährdeten zweiten Hälfte, bei denen sich auch weitere Neuzugänge aus der D-Jugend wie Jonas und Pit in den Spielbericht eintragen konnten, ging das Spiel ungefährdet mit 12:20 zu Ende. Somit war bei nur einem Absteiger in die BOL die Spannung aus dem Turnier bereits größtenteils entwichen.
Spiel 3 gegen die bis dahin ungeschlagene HSG B-one, die bereits den Hausherren ein Unentschieden abringen konnten, war nun dank dieses Remis die Chance, sich für einen Ausrutscher der JSG doch noch für den Gruppensieg in Stellung zu bringen. Im besten Spiel der SG an diesem Turniertag entwickelte sich ein flotter Schlagabtausch mit den Gegnern aus dem Münchner Südosten. Besonders im Angriff war jetzt Bewegung drin, der Zug zum Tor stimmte und auch das Tempospiel kam nicht zu kurz. Als dann zur Halbzeit Lejs einen direkten Freiwurf aus 11 Metern zum 8:6 verwandelte, war auch die Stimmung auf der Bank am Kochen. Zur Halbzeit hatte das Trainerteam um Timo Markus, Maxi Bartalis und Daris Dedic die einfache Aufgabe, den Jungs zu sagen: „Weiter so, dann wird das“. Ganz so gut ging es nicht weiter und so verloren die Jungs innerhalb von 90 Sekunden ihre Führung und mussten schauen, dass sie nicht ins Hintertreffen gerieten. Die nächsten Minuten waren geprägt von einem rasanten Handballspiel mit dauerndem Wechsel zwischen Führung und Gleichstand, bis Coach Markus in der 2 Minuten vor Schluss die Auszeit nahm und den Jungs nochmal mit einigen taktischen Anweisungen den Weg zum Tor zeigte. Es folgte die erste 2-Toreführung in dieser Hälfte, die die Kemptner nicht mehr hergaben und zum Schluss mit 16:13 den Sieg gegen die wohl eigentlich stärkste Mannschaft des Turniers errang.
Da die JSG Eching-Neufahrn zwischenzeitlich im Spiel gegen Haunstetten den Turniersieg sichern konnte, ging es im letzten Spiel gegen die 2. Mannschaft des TuS Fürstenfeldbruck, die bereits als letztplatzierte und damit Absteiger feststanden, für beide Mannschaften um nichts mehr. Demzufolge konnte die Mannschaft auf dem Feld ein wenig rotieren und einige Jungs konnten sich nochmal in die Torschützenlisten eintragen. Mit einem ungefährdeten 10:20 Sieg und Toren durch insgesamt 8 Spielern konnte nach diesem Spiel jeder zufrieden mit dem Tagwerk den Heimweg antreten. Die ehemalige D-Jugendachse um Emilian, David, Pit und Lorenz konnte hier nochmal zeigen, was sie in der neuen Altersklasse zu leisten im Stande sind.
Den ein oder anderen mag die verpasste Chance, das Abenteuer Regionalliga-Qualifikation verpasst zu haben, gereut haben – Schlussendlich konnte die Freude über den starken Handball, der vor allem gegen B-One gezeigt wurde, überwiegen.

Runde 2: Hartes Los und früher Start
Die Emotionen vom Wochenende waren noch gar nicht ganz verdaut, da kam die Auslosung für die zweite Runde in die Westendhalle geflattert: Allach, Isar-Loisach, Vilsbiburg und nur zwei kommen weiter – große Namen und eine ordentliche Herausforderung. Dazu mussten die Kemptner Schlafmützen als Auswärtsmannschaft mit der weitesten Anfahrt bereits im ersten Spiel um 10:00 Uhr gegen die Hausherren antreten. Hilft alles nichts, Abfahrt um 7:00 Uhr an der Heimhalle mit vollem 16-Mann-Kader und auf ins Abenteuer.
Gegen die unglücklichen Regionalliga-Absteiger aus Allach wollte dann auch im ersten Spiel erst mal gar nichts gelingen. Ähnlich wie in der Eröffnung des letzten Turniers kamen die Kemptner gar nicht ins Turnier und spielten langsamen Stehhandball. Bewegung ohne Ball und zurücklaufen Fehlanzeige. So hatten die Münchner leichtes Spiel und zeigten beim Endstand von 23:9 einen Klassenunterschied auf. Das Spiel wäre wohl auch mit einem stärkeren Auftritt der Allgäuer nicht zu gewinnen gewesen, trotzdem befeuerte der erneut langsame Turnierstart keine Zuversicht. Ganz schön demontiert stapften die Kemptner Jungs in die Kabine.
Bei der Sichtung des zwischenzeitlichen Spiels zwischen Vilsbiburg und der HSG Isar-Loisach wurde auch dem letzten Kemptner klar, dass das folgende Duell mit der HSG bereits das Endspiel um den Einzug in die dritte Oberliga-Qualifikation werden würde. Und so ging es nach kurzer Verschaufzeit für die Gegner, die das zweite Spiel in Folge absolvieren mussten, in das direkte Duell um Platz zwei sowie den goldenen Griff in den Harztopf. Leider konnte sich in dieser zweiten Turnierrunde die deutlich Steigerung der ersten Runde nicht wiederholen. Irgendwie war nach der Niederlage im ersten Spiel die Luft raus. Zwar konnten die Kemptner das Niveau der HSG über weite Strecken mitgehen, die Leistung, zu der sie fähig sind und die sie in der Vorbereitung und im ersten Qualiturnier gezeigt hatten, war aber nicht zu finden. So konnten die Kemptner nach dem Auftakttor zum 1:0 durch Lejs in den folgenden Minuten zwar immer wieder ausgleichen, aber nie die Zügel in die Hand nehmen. Gerade in der Abwehr fehlte der Zugriff und mit 3 verworfenen 7m Versuchen verpassten die Jungs es, sich für herausgespielte Chancen zu belohnen. Schlussendlich stand auf der Anzeigetafel ein 16:19 Endstand für die HSG Isar-Loisach – der Traum Oberliga war ausgeträumt. Hier wäre mehr drin gewesen, aber „Grau ist im Leben alle Theorie – entscheidend is‘ auf’m Platz“, wie ein deutscher Philosoph zu sagen pflegte.
Aber da war ja noch ein Spiel: Von aller Last befreit und mit nichts mehr zu verlieren ging es dann ins Duell um die rote Laterne gegen den TSV Vilsbiburg. Bei der erst 2022 gegründeten und (im positiven Sinne) unfassbar umtriebigen Handballabteilung der Niederbayern ist die männliche C-Jugend die älteste Mannschaft, Aushängeschild und erstes Team, dass eine Oberliga-Qualifikationsrunde erreicht hat. Umso bedauerlicher, dass die Mannschaft neben fehlender Harzpraxis an diesem Wochenende auch nur über einen sehr dünnen Kader verfügte. Die SG aus Kempten nutzte dieses Spiel, um viel Spielzeit an die Spieler aus dem jüngeren 2013er Jahrgang (oder den mitgefahrenen D-Jugendlichen) zu verteilen. So konnten sich hier Martin, Jonas, Maxi, Lenzi, Paul, Pit und Emilian nochmal auf dem Spielbericht verewigen. Mit großem Spielwitz und einer Abgezocktheit, die an diesem Tag der ersten Garde zuweilen fehlte, entwickelte sich ein munteres Duell zwischen zwei jungen Aufstellungen. Bis zur 20. Minute konnte der TSV Vilsbiburg noch mithalten und glich zwischenzeitlich sogar nochmal aus, bevor die Kräfte schwanden und die Allgäuer zum Schluss auf 19:12 wegziehen konnten.
Schwer enttäuscht mussten die Kemptner nun mit einem dritten Platz die Heimreise antreten, die Harztöpfe einlagern und sich auf die dritte Qualirunde einstellen.

Runde 3: Zurück zu alter Stärke
Wieder folgte die Auslosung zur nächste Runde in Kürze. In der dritten Runde ging es nach Weilheim zum Duell gegen die Gastgeber, die HSG Gröbenzell-Olching und die JSG Alpsee-Grünten. Kein leichtes Los, sind doch alle Nachwuchsteams von Gegnern der Kemptner Herren in der vergangenen BOL-Saison und demzufolge namhafte Konkurrenz. Zum Kemptner Glück fand die Qualifikation am Sonntag statt, da am Samstag einige der Jungs ihre Konfirmation feiern konnten. Somit konnte die SG mit Beistand von oben nach Oberbayern reisen.
Los ging es gegen direkt im Derby gegen die JSG Alpsee-Grünten. Im Allgäuer Duell konnte die SG aus Kempten einen Start nach Maß hinlegen und ließ keinen Zweifel an den Kräfteverhältnissen aufkommen. Die Startaufstellung um Noah, Lejs, David S., Xaver, Pit, Jakob und einen hervorragend aufgelegten Yannik im Tor zeigten in allen Spielphasen einen deutlichen Klassenunterschied und verabschiedeten sich mit 3:15 in die Halbzeitpause und den Feierabend für dieses Spiel. Doch auch in der zweiten Hälfte konnte die SG nach einem Wechsel aller Feldspiel das Tempo hochhalten. Gerade Valentin und Lenzi fanden immer wieder die Lücken in der Abwehr und belohnten sich konsequent. Auch Paul konnte am Kreis immer wieder angespielt werden und trug seinen Teil zum Endergebnis von 13:29 bei, bei dem auch die zweite Hälfte an die Kemptner ging.
Dass die nun folgenden Spiele gegen den TSV Weilheim und die HSG Gröbenzell-Olching deutlich schwerer werden würden, war nach dem hochklassigen Spiel zwischen den beiden Mannschaften, dass knapp an die Gastgeber ging, jedem klar. Zudem waren beide Spiele ohne Pause direkt nacheinander angesetzt. In der Kabine war klar: Kämpfen, kämpfen, kämpfen ist die Ansage, heute geht es nur über Willenskraft und Kampfgeist.
Im Duell gegen Weilheim sollte sich ein munterer Schlagabtausch entwickeln. Die Führungen wechselten minütlich, bis es in der elften Minuten 7:8 stand, konnte sich keine Mannschaft wirklich absetzen. Die Allgäuer spielten ein in allen Phasen starkes Spiel gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Die Abwehr stand weitgehend solide, jedoch konnten die Gastgeber immer wieder glücklich durch wiedergewonnene geblockte, abgeprallte oder rollende Bälle zum Torerfolg kommen. Angetrieben von der lautstarken Unterstützung der Auswechselspieler auf der Bank und Eltern auf der Tribüne nahmen die Kemptner das Glück nun selbst in die Hand und schalteten angetrieben von einem bärenstarken David S. nochmal einen Gang hoch. So zeigte die Hallenuhr zur Halbzeit einen Spielstand von 11:9 zugunsten der Allgäuer an. Nach der Halbzeit sollte sich erst einmal eine defensiv geprägte Phase einstellen, in der die ersten Minuten nur ein Tor fiel, ehe das Spektaktel nach 18 Minuten wieder seinen Lauf nahm. Im dauernden Hin und Her konnten die Hausherren durch eine in dieser Phase schwächelnde Abschlussquote der SG immer wieder den Anschluss finden und 5 Minuten vor Schluss sogar kurzfristig führen. Die Kemptner ließen sich aber von der starken Leistung der Weilheimer nicht beirren, vor allem Yannik im Kasten konnte in dieser Phase immer wieder brillieren. Der Kemptner Rückraum fand nach einigen Positionswechseln nach der Schrecksekunde durch die Weilheimer Führung wieder ihre Wurfform und nutzte eine Zeitstrafe der Gastgeber zur Wiederherstellung der 2-Tore-Führung. In der Schlussphase konnten Pit, Lejs und Vale durch sichere Abschlüsse den Abstand immer sicher halten und den Sieg beim Endstand von 21:18 an sich reißen.
Im auf diese Kraftleistung folgenden Jubel könnte man fast vergessen, dass in 20 Minuten bereits das nächste Spiel anstand. Sollte man das Duell gegen die „Grolchis“ deutlich verlieren, wäre die ganze Kraftleistung umsonst gewesen und man würde im 3er-Vergleich doch noch aus der BOL fallen. Also war die Devise: Durchschnaufen, Bananen und Riegel futtern und hoffen, dass die Beine nochmal 30 Minuten Vollgas hergeben.
Die „Grolchis“ kamen mit einem in Höhe wie Physis beindruckenden Kreisläufer daher, der Trainerduo Meisch/Markus zur Umstellung der Abwehr zwang. So sollte der Kemptener Hühne Lejs die Deckung am Kreis übernehmen, um durch seine Spannweite Kreisanspiele zu unterbinden, während Valtentin offensiv auf Außen startete, um die Halbdeckung zu verstärken. Dieser Plan ging weitestgehend auf, die Kemptner Abwehr ließ keine Kreisanspiele zu, auch der eifrige Einläufer der Grolchis konnte durch Pit immer wieder bei der Ballannahme gestört werden. Das Angriffsspiel der Kemptner konnte immer wieder die halbrechte Abwehrseite der Grolchis überlaufen und kam damit zu einfachen Abschlüssen. Nach einer erneut kräftezehrenden ersten Halbzeit konnten die nun schon schwer gezeichneten Allgäuer beim Stand von 11:14 mit einem leichten Puffer in die nötige Unterbrechung gehen. Mit dem Vorsprung waren nun einige Wechsel möglich, so konnten Lenzi, Noah und Maxi in diesem hochkarätigen Spiel ihre Klasse beweisen. Durch eine hervorragende zweite Hälfte des Gröbenzeller Mittelmanns kam für den Spielstand, nicht aber für den Turniersieg, dann doch immer wieder Spannung auf. Der für Schlussendlich 15 Tore verantwortliche Spieler machte in dieser Phase praktisch jedes Tor. In der 25. Minute konnten die Grolchis zum ersten Mal seit der 3. Minute das Spiel ausgleichen. Erneut durch die tosende Unterstützung der Bank, die trotz teils sehr geringer Einsatzzeiten in den letzten beiden Spielen mit voller Energie dabei war, vorangepeitscht, mobilisierten die Jungs auf dem Spielfeld die letzten Kräfte. Vor allem der zwischenzeitlich auf Linksaußen gewechselte Pit traf in den letzten Minuten noch zwei Mal um wieder und wieder eine Führung herzustellen. 40 Sekunden vor Schluss warf Jakob dann vom Kreis in die Maschen. Nach einer starken Abwehrfolge konnten die Kemptner nun den Ball wieder erobern und das Spiel souverän zu Ende bringen. Endstand: 26:27.
Fazit: Richtig gut Handball gespielt, richtig gute Stimmung auf und neben dem Feld, alles auf der Platte gelassen und zufrieden nach Hause gefahren.
Jetzt heißt es, die kurze Saisonpause zu nutzen, bevor nach den Pfingstferien bereits wieder die Vorbereitung beginnt. In der nach den Sommerferien beginnenden Saison wartet dann eine richtig spannende Bezirksoberliga, in der sich aktuell einige richtig gute Allgäuer C-Jugenden tummeln. Die Duelle gegen Waltenhofen, Marktoberdorf und Ottobeuren sorgen schon heute für Vorfreude.

Fotos: Thorsten Häusler, Martin Aicham